Mittwoch, 16. November 2011

Tapetenwechsel

Die letzten Tage in Indien waren nicht gerade unsre tollsten, tatsaechlich hatten wir einen leichten Abschied ohne viel Schmerz.
Auf halbem Weg nach Darjeeling (11h Nachtzug, gefolgt von 4h Jeep-Serpentinen-bekannte indische Fahrweise) tauchten wir ein in dicksten Nebel..und bis Sonntagnachmittag nicht mehr auf, leider. War also nix mit spektakulaerer Aussicht, auf die ich mich so gefreut hatte..
Dafuer haben wir uns den Ort angesehen, der bisher am verschiedensten von allen gesehenen Orten war. Im Hochgebirge, kaum indisch-aussehende Einwohner, stattdessen viele Nepalesen und Tibeter, eine andere Art von Touristen und natuerlich ein ganz anderes Klima.
Wir sind erfroren!
Nach den 3 Monaten im Hochsommer jetzt auf einmal mit Deutschland (momentan) vergleichbare Temperaturen, und das 24h am Tag, denn Heizungen gibt es wohl nicht. Haben in den Naechten bis zu 5 Oberteile, 3 Hosen, auf jeden Fall 2 Schals und 2 Paar Socken getragen, plus Schlafsaecke und Decken..und immer noch gezittert. Bloederweise hatten wirs geschafft uns in Varanasi eine leichte Erkaeltung zu holen, die sich unter den Bedingungen reizend entwickelte..
Zumindest war eine ausreichende Menge Tee vorhanden, und zwar ziemlich guter.
Am Samstag wanderten wir zum tibetischen Fluechtlingslager, wo es eine sehr beruehrende Fotoausstellung und Kunsthandel gab, Sonntagmorgen zum Sonnenaufgang versuchten wir es noch einmal mit dem Panorama und brachen um 4 Uhr auf zum Tiger Hill, dem Aussichtspunkt, von dem aus man eigtl den Mount Everest sehen kann - vergeblich..

Zurueck in Kalkutta gabs einen weiteren Tag voller Nichtstun, bevor gestern frueh unser Flug nach Bangkok ging. Angesichts der Bilder, die vom Flugzeug aus zu sehen waren, keine schlechte Idee, unsren Aufenthalt dort zu verschieben - grosse Teile des Landes und der Stadt stehen immer noch unter Wasser.
Obwohl die Adlerperspektive von Siem Reaps Umgebung fast noch schlimmer anzuschauen war, gibts hier wohl keine Probleme mehr. Die naechsten Tage kriegen wir Orientierung, Sprachunterricht und Sightseeing (Angkor Wat!), am Montag starten meiner Meinung nach unsere Projekte. Rita wird mit Tauben und Blinden, ich wieder mit sehr kleinen Kindern arbeiten. Sind ja schon gespannt auf die Unterschiede zu den IDEXprojekten..

Alles ist so, so anders! Muessen jetzt erst mal den Schreck verdauen, keine Menschenmassen von Indern mehr um uns zu haben, nicht mehr im Muell auf den Strassen zu versinken, keine Kuhkollisionen fuerchten zu muessen, kein Naan und keinen Chai mehr zu kriegen..
Schon nach zwei Tagen in Suedostasien faellt mir uebrigens auf, dass wir viel besser behandelt werden. Wir sind nicht mehr bloss alleingelassene Anhaengsel, die nicht ernst genommen werden koennen, hier waren bisher Maenner wie Frauen gleichermassen (ueber-)freundlich zu uns. Wirklich mal wieder angenehm.


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