Donnerstag, 10. November 2011

Am Ganges

Varanasi - angeblich aelteste Stadt der Welt, Zentrum des Hinduismus, heilig auf jeden Fall und schoenster Ort unsrer Indienreise. 
Dort gibt es mit Sicherheit die meisten Kuehe (und Haufen), Tempel und Sadhus, dh. Maenner, die man als Goetteropfer durchfuettert:


(Offenbar geht das Geschaeft gut genug fuer eine schicke Sonnenbrille)

Zudem die meisten Touristen, was unweigerlich zu den meisten Haendlern, Betruegern und Bettlern fuehrt. Der Kampf um ein bezahlbares Taxi, das uns an den gewuenschten Ort und nicht zum Hotel mit der hoechsten Komission bringt, begann, als wir den Fuss aus dem Zug streckten, und dauerte ueber eine halbe Stunde. In der Altstadt und an den Ghats waren wir selbstverstaendlich auch nie alleine: "Madam, one boat? Madam, candle? Madam, beautiful shawl? Madam, one rupee? Madam, hello, whatsurname?"


..Die Rita, wie sie zwei Maedchen, eine davon lustigerweise eine Munni, Mittagessen kauft..

Und vermutlich gibt es in dieser Stadt auch die meisten Sterbenden und Toten Indiens, weil es im Hinduismus als grosses Glueck gilt, an diesem heiligen Ort dahinzuscheiden. Falls nicht moeglich, soll zumindest der Koerper dorthin ueberfuehrt werden, um im Ganges gewaschen, eingeaeschert und anschliessend verstreut zu werden. Ein sehr beeindruckendes Schauspiel, wie die aufwendig praeparierten Leichen zuerst von singenden, maennlichen Angehoerigen auf Bahren durch die engen Gassen getragen werden, auf den zur Kaste passenden Scheiterhaufen warten, schliesslich angezuendet werden..
Und wie die Arbeiter danach die Aschehaufen nach Goldschmuck durchsuchen, bevor sie sie einfach in den Fluss kippen..



Ausgenommen von diesen Ritual sind die heiligen Sadhus, Kinder unter 10 Jahren und daher auch schwangere Frauen, Leprakranke (damit der verpestete Rauch nicht die Ansteckung beguenstigt) und von einer Kobra getoetete Menschen (warum auch immer). Sie werden, wie auch alle Tierkadaver, auf Booten zur Flussmitte gebracht und mit Steinen beschwert versenkt. Wir koennen allerdings bezeugen, dass das mit den Gewichten noch geuebt werden muss - bei einer unsrer 3 Bootstouren schwamm nicht nur eine Babykuh vorbei, sondern tatsaechlich auch ein bleicher, aufgedunsener Sadhu mit einzelner Locke am kahlen Kopf, immerhin mit dem Ruecken nach oben..

 Weiter flussabwaerts (!) fanden wir die - im wahrsten Sinne des Wortes - chemische Reinigung Varanasis:


Huebscher Anblick mit all den bunten Stoffen, aber nur wenn man weiss, dass die eigene Kleidung hier nicht "gewaschen" wird.


Unbeirrt geben sich die Pilger trotzdem dem grossen Badespass hin: 


Die Maenner, Augenschmaus, meistens nackt und prustend, die Frauen zurueckhaltend und voll bekleidet. Unbegreiflicherweise ist Varanasi noch nicht ausgestorben, bei all den Schwermetallen, Chemikalien, Leichen usw. im Ganges ein ziemliches Wunder.

Ein paar Impressionen der letzten Tage:


Friseursalon am Shivaghat,



ein Schauspiel, das uns bestimmt eine halbe Stunde lang amuesiert hat - Wie kann eine eigenwillige Kuh dazu gebracht werden, sich zum Saubermachen in den Ganges zu begeben? Vielleicht hat sie ja wie wir erkannt, dass sie davon nur noch dreckiger werden wuerde..


Er verflucht mich gerade, weil ich ihm nicht mehr aus meiner schoenen Wasserflasche zu Trinken geben wollte, nachdem er seinen Kautabak um uns herum verteilt hatte.


"Madam, hello, one photo!"

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