Dienstag, 22. November 2011

Die Umstellung..

 ..von Indien zu Kambodscha ist gross. Umgekehrt waere sie vermutlich schwierig, so besteht sie fuer mich vor allem darin, bessere Umstaende zu akzeptieren und die Tatsache, dass mir hier alles viel leichter vorkommt.
 Wir sind jetzt im Camp, dh. "Thida's House", angekommen und haben uns eingewoehnt, die anderen Volunteers kennengelernt, Einfuehrungsvortraege gehoert, Siem Reap erkundet und Ausfluege in die Umgebung gemacht. Dabei erkannt, dass nicht nur die Projekte viel durchdachter und organisierter sind, auch die Verpflegung, um die wir uns diesmal selbst kuemmern, ist um einiges besser, wir sind sehr zufrieden mit unsren eigenen Raedern und der geringen Entfernung zum Stadtzentrum..
Siem Reap ist eine nicht besonders grosse, momentan wegen der Hauptsaison sehr touristische, aber wirklich nette Stadt, in der ich mich, glaube ich, sehr wohl fuehlen kann. Es gibt alles, und im Gegensatz zu Indien auch auf westlichem Niveau: Supermaerkte, Restaurants, Malls und Maerkte, Krankenhaeuser und Apotheken!! Es ist sauberer, der Verkehr beruhigter.. Man findet sich leicht alleine zurecht und steht nicht unter staendiger Anspannung, wie es die letzten drei Monate der Fall war. Irgendwie hatten wir ja immer Angst, dass wir ueberfahren/betrogen/bestohlen/gestohlen etc. werden.. Jede Aktion, jedes vom-Fleck-kommen war ein Drama und anstrengend, waehrend man hier spontan aufs Rad steigt.
Und die Menschen sind uns so ungleich lieber! Ich habs beim Tapetenwechseleintrag schon erwaehnt, wir werden hier ernstgenommen, uns wird effektiv geholfen, wir werden nicht nur gleich, sondern auch richig gut behandelt und immer angelaechelt. Das beschraenkt sich nicht nur auf die neue Organisation Interweave, mit der wir hier zusammenarbeiten, auch Leute auf der Strasse, in den Geschaeften.. Die ganze Mentalitaet ist einfach angenehmer.
Noch ein paar Bilder aus den Orientierungstagen, in denen wir Aufluege in den Nationalpark Phnom Kulen und an den See Tonle Sap gemacht haben:


Zwei kleine Jungs, die an einem hinduistischen Lingam "beten", indem sie es mit Wasser begiessen, dieses dann wieder auffangen und sich selbst damit "reinigen". Das haben sie ausprobiert, um unsere Aufmerksamkeit zu kriegen, aber das Quellwasser war dem Armen wohl doch zu frisch...


Teil der Tempelanlage nebem dem Lingam.


Die entspannendsten Minuten der letzten Woche, ich schaukelte herum und liess mir die Gischt ins Gesicht spritzen..
Vor dem Wasserfall, der Hauptattraktion des Phnom Kulen.


 Krokodilfarm auf dem Tonle Sap, igitt!


Offenbar eine der Top-Einnahmequellen der Bewohner des Sees: Die Kinder mit Wuergeschlangen zu dekorieren und dann betteln zu schicken!


Bewohner des Sees? Jawohl, es gibt dort ein sog. schwimmendes Dorf, das sich aus hunderten dieser Hausboote zusammensetzt. Familien, komplett mit Kleinkindern, wohnen dort und ernaehren sich vom Fischen, wobei ich nicht weiss, inwiefern das ein sicheres Heranwachsen fuer Kinder sein kann..

 

Und eine Ansicht der Ueberschwemmung in der Naehe des Tonle Sap, beeindruckender noch vom Flugzeug aus, aber auch so nicht ohne. Viele Strassen sind noch total zerstoert, unser Freiwilligenhaus und die Projektstaetten schon wieder renoviert, nachdem alles wochenlang unter Wasser gestanden hatte.

Am Nachmittag werde ich zum ersten Mal selbststaendig unterrichten, hier der Link zu meinem Projekt:

http://www.jays-school.org/

Freitag, 18. November 2011

Angkor Wat


 Wir sind heute wieder mal fuer einen Sonnenaufgang aufgestanden, diesmal ueber Angkor Wat.
 Eigentlich heisst so nur der Tempel oben, die ganze Anlage erstreckt sich aber ueber mehrere Quadratkilometer und es hat fast 10h gedauert, bis wir wenigstens die Highlights gesehen hatten. Anstrengend, bei der Hitze hier - es ist viel waermer als zuletzt in Kalkutta...oder Darjeeling..


Na, erkennt das jemand? Von den Jungs vielleicht?


Im Tempel von Angkor Tom gibts ueber 250 lachende Buddhagesichter, oder Gesichter des Koenigs, der die Anlage erbauen liess - wie man es sehen will - jedenfalls sind sie gigantisch.


Das ist die kambodschanische Version eines TukTuks, viel bequemer und offener - was fuer manchen aber eher nachteilig ist, haben wir heute doch tatsaechlich eine Touristin aus einem davon fallen sehen..Wurde anschliessend noch schoen ueberfahren, ihr ist aber trotzdem nicht viel passiert, glaube ich. Sah allerdings ziemlich schockierend aus..


Nochmal Angkor Tom im Ganzen
Wollte euch nur ein paar Bilder liefern, muss ansonsten frueh ins Betti, weil ich morgen eine Art Dschungelwanderung vor mir habe..


Mittwoch, 16. November 2011

Tapetenwechsel

Die letzten Tage in Indien waren nicht gerade unsre tollsten, tatsaechlich hatten wir einen leichten Abschied ohne viel Schmerz.
Auf halbem Weg nach Darjeeling (11h Nachtzug, gefolgt von 4h Jeep-Serpentinen-bekannte indische Fahrweise) tauchten wir ein in dicksten Nebel..und bis Sonntagnachmittag nicht mehr auf, leider. War also nix mit spektakulaerer Aussicht, auf die ich mich so gefreut hatte..
Dafuer haben wir uns den Ort angesehen, der bisher am verschiedensten von allen gesehenen Orten war. Im Hochgebirge, kaum indisch-aussehende Einwohner, stattdessen viele Nepalesen und Tibeter, eine andere Art von Touristen und natuerlich ein ganz anderes Klima.
Wir sind erfroren!
Nach den 3 Monaten im Hochsommer jetzt auf einmal mit Deutschland (momentan) vergleichbare Temperaturen, und das 24h am Tag, denn Heizungen gibt es wohl nicht. Haben in den Naechten bis zu 5 Oberteile, 3 Hosen, auf jeden Fall 2 Schals und 2 Paar Socken getragen, plus Schlafsaecke und Decken..und immer noch gezittert. Bloederweise hatten wirs geschafft uns in Varanasi eine leichte Erkaeltung zu holen, die sich unter den Bedingungen reizend entwickelte..
Zumindest war eine ausreichende Menge Tee vorhanden, und zwar ziemlich guter.
Am Samstag wanderten wir zum tibetischen Fluechtlingslager, wo es eine sehr beruehrende Fotoausstellung und Kunsthandel gab, Sonntagmorgen zum Sonnenaufgang versuchten wir es noch einmal mit dem Panorama und brachen um 4 Uhr auf zum Tiger Hill, dem Aussichtspunkt, von dem aus man eigtl den Mount Everest sehen kann - vergeblich..

Zurueck in Kalkutta gabs einen weiteren Tag voller Nichtstun, bevor gestern frueh unser Flug nach Bangkok ging. Angesichts der Bilder, die vom Flugzeug aus zu sehen waren, keine schlechte Idee, unsren Aufenthalt dort zu verschieben - grosse Teile des Landes und der Stadt stehen immer noch unter Wasser.
Obwohl die Adlerperspektive von Siem Reaps Umgebung fast noch schlimmer anzuschauen war, gibts hier wohl keine Probleme mehr. Die naechsten Tage kriegen wir Orientierung, Sprachunterricht und Sightseeing (Angkor Wat!), am Montag starten meiner Meinung nach unsere Projekte. Rita wird mit Tauben und Blinden, ich wieder mit sehr kleinen Kindern arbeiten. Sind ja schon gespannt auf die Unterschiede zu den IDEXprojekten..

Alles ist so, so anders! Muessen jetzt erst mal den Schreck verdauen, keine Menschenmassen von Indern mehr um uns zu haben, nicht mehr im Muell auf den Strassen zu versinken, keine Kuhkollisionen fuerchten zu muessen, kein Naan und keinen Chai mehr zu kriegen..
Schon nach zwei Tagen in Suedostasien faellt mir uebrigens auf, dass wir viel besser behandelt werden. Wir sind nicht mehr bloss alleingelassene Anhaengsel, die nicht ernst genommen werden koennen, hier waren bisher Maenner wie Frauen gleichermassen (ueber-)freundlich zu uns. Wirklich mal wieder angenehm.


Donnerstag, 10. November 2011

Am Ganges

Varanasi - angeblich aelteste Stadt der Welt, Zentrum des Hinduismus, heilig auf jeden Fall und schoenster Ort unsrer Indienreise. 
Dort gibt es mit Sicherheit die meisten Kuehe (und Haufen), Tempel und Sadhus, dh. Maenner, die man als Goetteropfer durchfuettert:


(Offenbar geht das Geschaeft gut genug fuer eine schicke Sonnenbrille)

Zudem die meisten Touristen, was unweigerlich zu den meisten Haendlern, Betruegern und Bettlern fuehrt. Der Kampf um ein bezahlbares Taxi, das uns an den gewuenschten Ort und nicht zum Hotel mit der hoechsten Komission bringt, begann, als wir den Fuss aus dem Zug streckten, und dauerte ueber eine halbe Stunde. In der Altstadt und an den Ghats waren wir selbstverstaendlich auch nie alleine: "Madam, one boat? Madam, candle? Madam, beautiful shawl? Madam, one rupee? Madam, hello, whatsurname?"


..Die Rita, wie sie zwei Maedchen, eine davon lustigerweise eine Munni, Mittagessen kauft..

Und vermutlich gibt es in dieser Stadt auch die meisten Sterbenden und Toten Indiens, weil es im Hinduismus als grosses Glueck gilt, an diesem heiligen Ort dahinzuscheiden. Falls nicht moeglich, soll zumindest der Koerper dorthin ueberfuehrt werden, um im Ganges gewaschen, eingeaeschert und anschliessend verstreut zu werden. Ein sehr beeindruckendes Schauspiel, wie die aufwendig praeparierten Leichen zuerst von singenden, maennlichen Angehoerigen auf Bahren durch die engen Gassen getragen werden, auf den zur Kaste passenden Scheiterhaufen warten, schliesslich angezuendet werden..
Und wie die Arbeiter danach die Aschehaufen nach Goldschmuck durchsuchen, bevor sie sie einfach in den Fluss kippen..



Ausgenommen von diesen Ritual sind die heiligen Sadhus, Kinder unter 10 Jahren und daher auch schwangere Frauen, Leprakranke (damit der verpestete Rauch nicht die Ansteckung beguenstigt) und von einer Kobra getoetete Menschen (warum auch immer). Sie werden, wie auch alle Tierkadaver, auf Booten zur Flussmitte gebracht und mit Steinen beschwert versenkt. Wir koennen allerdings bezeugen, dass das mit den Gewichten noch geuebt werden muss - bei einer unsrer 3 Bootstouren schwamm nicht nur eine Babykuh vorbei, sondern tatsaechlich auch ein bleicher, aufgedunsener Sadhu mit einzelner Locke am kahlen Kopf, immerhin mit dem Ruecken nach oben..

 Weiter flussabwaerts (!) fanden wir die - im wahrsten Sinne des Wortes - chemische Reinigung Varanasis:


Huebscher Anblick mit all den bunten Stoffen, aber nur wenn man weiss, dass die eigene Kleidung hier nicht "gewaschen" wird.


Unbeirrt geben sich die Pilger trotzdem dem grossen Badespass hin: 


Die Maenner, Augenschmaus, meistens nackt und prustend, die Frauen zurueckhaltend und voll bekleidet. Unbegreiflicherweise ist Varanasi noch nicht ausgestorben, bei all den Schwermetallen, Chemikalien, Leichen usw. im Ganges ein ziemliches Wunder.

Ein paar Impressionen der letzten Tage:


Friseursalon am Shivaghat,



ein Schauspiel, das uns bestimmt eine halbe Stunde lang amuesiert hat - Wie kann eine eigenwillige Kuh dazu gebracht werden, sich zum Saubermachen in den Ganges zu begeben? Vielleicht hat sie ja wie wir erkannt, dass sie davon nur noch dreckiger werden wuerde..


Er verflucht mich gerade, weil ich ihm nicht mehr aus meiner schoenen Wasserflasche zu Trinken geben wollte, nachdem er seinen Kautabak um uns herum verteilt hatte.


"Madam, hello, one photo!"

Basislager Kolkata

Hallo mal wieder nach langer Zeit,
sind gerade erst nach Kalkutta zurueckgekehrt, nachdem wir 3 Tage in Varanasi am Ganges waren. Wir machen sozusagen einen Zwischenstop, bei dem ich eigentlich Schlaf tanken sollte statt am PC zu sitzen, weil wir heute Abend schon wieder abfahren, nach Darjeeling im Himalaya, in Sichtweite des Mount Everest!! Jaja, da freu ich mich schon gewaltig..

Die letzte Woche hier war wunderbar, 


ja, weil naemlich die Anna und meine Mama da waren! und anstrengend, weil Kalkutta eine furchtbare Chaosstadt ist. Der Verkehr ist noch schlimmer als bisher gesehen, ueber der Stadt haengt Smog, die Maenner stossen mich noch mehr ab (v.a. in der vollgestopftesten Ubahn der Welt, die ich nach dem 3. Grapscher nicht mehr betreten werde).
Auf den Strassen sieht man wesentlich mehr Arme als in Mumbai..


die Viertel sind viel gemischter, da schlagen Menschen auf dem Buergersteig ihr Lager auf, direkt von den Haeusern der eher Betuchten. 


Im Kunsthandwerkerviertel, wo wegen des Festes "Durga Puja" bis vor ein paar Tagen Hochbetrieb herrschte. Ueberall in der Stadt wurden Schreine mit dort hergestellten Figuren der blutruenstigen Inkarnation der weiblichen Gottheit Shakti, Kali, errichtet.


Sehen aus wie lebendige Zwerge..
Im wichtigsten Tempel der Stadt, Kalighat, wurden frueher Menschen- und werden heute noch Ziegenopfer dargebracht, und wir 4 wurden im Gedraenge fast zertrampelt, als alle einen Blick auf die beruehmte Statue erhaschen wollten und ihre Blumen danach schmeissen - verrueckte Religion.

Ansonsten gibts hier wieder jede Menge Protzbauten der Kolonialmacht England, die wir brav besichtigt haben, sowie ein paar (mickrige) Museen, schwer aufzutreibende Jaintempel und einen Marmorpalast mit unglaublichen Kunstschaetzen, der heute noch bewohnt wird (um hineinzukommen mussten wir erst mal die Wachen schmieren).


Samstagabend - schwerer Abschied und eine mittlere Katastrophe: Wir hatten geplant, mit dem Nachtzug nach Varanasi aufzubrechen, unsre Plaetze waren aber doppelt gebucht - was sich erst in letzter Minute, als wir unser Gepaeck endlich erleichtert im richtigen Zug und Abteil verstaut hatten, herausstellte. Aus Angst, irgendwo im Nirgendwo einfach hinausgeschmissen zu werden, verbrachten wir noch eine frustrierende Nacht in Kalkutta..

Und dem Folgenden muss ein eigener Eintrag gewidmet werden: