Waren diesen Samstag zum ersten Mal seit unsrer Abschiedsparty weg, in Baga, dem anscheinend einzigen Ort Goas, an dem man immer noch gut Party machen kann. Oh ja, kann man!
Eigentlich wollten Rita und ich zuerst noch auf einen beruehmten Flohmarkt gleich in der Naehe, Ingos Saturday Night Bazaar, weil wir unser Geld lieber in weitere Souvenirs als in gepanschten Alkohol investieren, leider gabs aber zu viele Missverstaendnisse und wir habens nur in die Einkaufsecke Bagas geschafft, wo auch alles die Nacht hindurch geoeffnet hat, sehr guter Einfall uebrigens. Um 12 sind wir zu den anderen 30 Freiwilligen ins Tito’s zum Tanzen, ein echt schicker Club, und alle warn echt gut dabei bis auf eben uns.
ein Teil der Gruppe..
Hier gehen natuerlich wesentlich mehr Maenner weg als Frauen, darum gibts fuer diese jeden Tag Eintritt, Getraenke, alles umsonst, waehrend die Jungs ganze 1500 RS (macht ca 25 Euro) berappen muessen. Wahrscheinlich der einzige Vorteil, den es im sexistischen Indien hat, weiblich zu sein.
Trotzdem wars recht unausgewogen, aber gemessen an der Aufmerksamkeit und Behandlung, die wir sonst erfahren, waren die Maenner fast schuechtern, jedenfalls sehr angenehm zurueckhaltend. Obwohl wir uns auf dem Balkon so angestrengt haben, unsre im Stars erworbenen Tanzkuenste optimal einzusetzen!:)
Ein lustiger Abend, obwohl wir zugegebenermassen zuerst nicht so ueberzeugt waren: Am Tag den armen Kindern nicht helfen zu koennen und dann Geld fuers Feiern auszugeben.. Andererseits haben wir damit wieder eine neue Seite der Gesellschaft kennengelernt. Die wenigen anwesenden Maedls waren wesentlich wilder als wir europaeischen (wilder vielleicht nicht, aber zumindest freizuegiger). Alkohol und Drogen, statt der kennengelernten Enthaltsamkeit der Hindus (wurden uns doch sehr offen angeboten, ich kanns immer noch nicht so verstehen, dass es das den Leuten bei den harten Strafen wert ist! Hab ich damals uebrigens erwaehnt, dass der Koch im Lalsotcamp sein Kraut an einige Freiwillige verkauft hat? So dumm, so dumm, alle beiden Parteien! Kannten uns ja gar nicht, wenn wir boese waeren und Lust gehabt haetten, waeren sie jetz in grossen Schwierigkeiten.).
Wenn wir Sheela und Neetu aus Lalsot das alles zeigen koennten – die wuerden vor Verwirrung und Scham im Boden versinken.
Am Montag hat mir dieses kleine Maedchen,
Munni, eine runtergehaut, aber so richtig! So richtig, dass mein Kopf auf die Seite geflogen ist! Hab sie ein bisschen zu lange gekitzelt und damit genervt und baatsch.. Aber damit wars dann auch wieder gegessen, dann hat sie mich umarmt und liebevoll versucht, mich von einem Muttermal am Hals zu befreien (die sind sie hier nicht gewoehnt, und ueberzeugt, es sei eine Art Hautkrankheit). Ich glaube, dass es ihr nicht so gut ergeht, ihre grossen Schwestern behandeln sie ganz gemein und grundsaetzlich wird sie viel alleingelassen. Aber obwohl Munni eins der garstigsten Kinder von allen ist, mag ich sie besonders gern:)
Und ansonsten sind die Fishermenkinder so lieb!
Das ist Pinka (die grosse, mit deren Hausaufgabenkontrolle ich hauptsaechlich beschaeftigt bin), die beiden Schwestern Suma und Shilpa (mit meiner kaputten, von Pinka mit Tesa wieder zusammengeklebten Sonnenbrille und die Zunge rausstreckend) und eine kleine Unbekannte in Gelb.
Und nochmal Shilpa, mit Seesternen, die sie spaeter in Suesswasser ertraenkt hat:
Und Rita, wie sie ihrerseits grad gerne Watschen verteilen wuerde:
Sie hatte aus Mitleid beschlossen, einer der Frauen, die uns am Strand immer mit ihren Waren bedraengen, etwas abzukaufen. Schlechte Idee, da sie dadurch eine ganze Meute angelockt hat und sich schliesslich gar nicht mehr befreien konnte - jetzt haben wir superschoenen, hochwertigen Plastikschmuck zum Preis einer Zugfahrt nach Kochi..
(Wohin wir uns morgen auf den Weg machen werden..)
Zum Schluss noch ein kurzer Einblick in mein neues Projekt seit letzter Woche, als Praktikantin im staatlichen Krankenhaus von Cansaulim:
Die eine Ecke des (einzigen) Behandlungszimmers, in dem ich immer sitze und beim Desinfizieren, Naehen, Verbinden, Spritzen, Infusionen legen usw zuschaue. Zu sehen die Liege, die noch kein einziges Mal, seit ich da bin, auch nur abgewischt wurde, auf ihr klebt Blut, Salbe, Eiter und was weiss ich noch alles, viel zu viele Spinnweben und der nicht weniger hygienische Muelleimer, in dem einfach alles konserviert wird, was man in einem Hospital so wegwirft.
Und das ist die ganze Ausstattung: Verbandszeug, das schon mal auf den Boden faellt und trotzdem noch benutzt wird, einmal am Tag gereinigtes Besteck, die Leben rettende Waermflasche und ein Haufen Infusionen, die einfach bei jeder Krankheit gelegt werden, auch bei Malaria und allem was danach aussieht..
Aber ich will nicht alles verurteilen, natuerlich sind die Zustaende katastrophal und man faengt an zu beten, hier bittebitte niemals krank zu werden, aber fuer die richtig armen Menschen stellt Cansaulim eine gute Moeglichkeit, die einzige Moeglichkeit dar. Die Behandlung und alle Medikamente sind kostenlos und das Personal bemueht sich nach Kraeften. Gestern hab ich beobachtet, dass ein Mann, dessen Wundraender und grosse Teile des Beins tiefschwarz verfaerbt sind, genauso nur seine Verletzung versorgt kriegt wie einer, der einfach von einem Hund gebissen wurde. Ahnung haben die also wenig, sobald man an einer etwas ernsteren Sache leidet, sind wir die falsche Adresse.
Nichtsdestotrotz bin ich froh dort zu sein, es ist unheimlich interessant, auch wenn ich nicht sehr viel selbst machen darf, und vor allem nicht im Entferntesten so belastend wie der Job im Waisenhaus. Einfach weil die Patienten groesstenteils erwachsen sind und man sie nicht naeher kennenlernt, nach 10 Minuten kann man sich einem neuen Fall zuwenden.
Aber bisschen traurig bin ich schon, dass ich die Kleinen nie wieder sehen werd..



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