Samstag, 29. Oktober 2011

Die grosse Mumbaistadt

Es gaebe so viel zu erzaehlen! Die Woche in Mumbai ist morgen schon wieder zu Ende, leider, denn nach den Anfangsschwierigkeiten gings stetig bergauf. Was wir alles gemacht haben! Elephanta Island, das King of Wales Museum und die National Gallery, Tempel und Basare, Diwalispektakel, eine Tour durch Dharavi, den groessten Slum Asiens, Bollywoodkino, der Strand, eingerahmt von Hochhaeusern, und Gandhis Haus..
Mumbai ist eine vielfaeltige Stadt und gar nicht mal so chaotisch wie angenommen. Es gibt fuer unser Empfinden wieder viel zu viele Meschen und anstrengenden Verkehr und Laerm, aber die beiden Innenstadtviertel, in denen wir uns hauptsaechlich aufhalten, sehen wegen der frueheren Kolonialmacht stellenweise aus wie London. Der Victoriabahnhof, das Indian Gate und einige Hotels zB sind wunderschoene Gebaeude und die Strassen darumherum ganz sauber.

In Dharavi, wo ueber 1,5 Mio Menschen leben und auf 6500 davon eine Toilette kommt, wo jaehrlich Zehntausende an Durchfallerkrankungen sterben und 10 Leute auf 3 Quadratmetern leben, das Durchschnittseinkommen aber trotzdem ueber dem des Landes liegt, wurden wir 2h lang durch die verschiedensten Viertel gefuehrt, von der Muellverwertungs-, Lederherstellungs-, Toepfer- und Backecke bis ueber die rein muslimischen bzw hinduistischen Gassen.


 Hier wurde Gefluegel gezuechtet und zur Preissteigerung gefaerbt:)
Am eindrucksvollsten fanden wir die Hallen mit den veralteten Maschinen, ein Anblick, den wir der Industrialisierung zugeordnet haetten, ausserdem die engsten der Durchgaenge, in denen kein Tageslicht mehr durchkommt und schon wir fast steckengeblieben waeren - eine Unvorstellbarkeit, dort wohnen zu muessen.
Aber generell wars nicht so schlimm, wie wir uns das vorher vorgestellt hatten. Die Hauptstrasse hat uns stark an Lalsot erinnert, es gab dort sogar einen Supermarkt, ein (naja) Krankenhaus und Taxis. Manchen Bewohnern wuerde man nicht in Traum ansehen, dass sie in einem Slum leben.

Vorhin waren wir im Mani Bharan, dem Hauptquartier Gandhis in Bombay, das jetzt als Museum aufgemacht ist, unten die Ecke, in der er jahrelang gelebt hat, mit all seinen Besitztuemern.


Dann waren wir am Chowpattybeach:


Fischerboot vor versmogter Skyline.


Bunte Hausfassade mit Diwalilampion, wie sie hier an jeder Ecke und jedem Balkon haengen. Abends sieht man an den Strassenecken Verkaufsstaende, die wunderbar leuchten..Ansonsten wurden wir die letzten Tage von Silvesterkrachern wachgehalten, aber jetzt ist das Weihnachten der Hindus ja wieder vorbei.


Dieser Mann ist nicht tot, sondern eine heilige Person, der man als Opfer Essen und Geld darbringt..


Und hier die Hoehle auf Elephanta Island, eine Bootsstunde vor Mumbai gelegen.
Heute haben wir in der Zeitung gelesen, dass am Tag nach unserem Besuch eine Faehre den Geist aufgegeben hat, die 130 Passagiere (davon 30 kleine Kinder) bis weit in die Nacht hinein auf dem Meer festsassen, waehrend weder Schwimmwesten oder Rettungsboote, noch ein Handy mit Netz fuer den Notruf an Bord waren. Sehr gut!


Dienstag, 25. Oktober 2011

Goa - Mumbai

Die Zugfahrt von Margao nach Mumbai, die uns gestern von morgens um 8 bis abends um 10 beschaeftigt hat, war richtig richtig schoen. Im Reisefuehrer steht schon, dass es landschaftlich am meisten zu sehen gibt, und tatsaechlich ist mir den ganzen Tag nicht langweilig geworden..
Da sass ich und staunte, wie viel unberuehrtes Land mit ganz geringer Bevoelkerungsdichte es hier gibt, in einem der Laender (oder dem?) mit der schnellesten Wachstumsrate. Berge, Taeler, Urwald, stundenlang, soweit das Auge reicht. Dann Felder, die von bunten Saris und duennen Maennlein bestellt werden, und haette ich mich nicht in einem Zug befunden, haette ich nicht sagen koennen durch welches Jahrhundert ich grad reise. Alles sah so urspruenglich aus, und das ist eines der Dinge, die mir an Indien so gefallen!
Dann wiederum passierten wir Orte, in denen sich, wie ueberall, die Menschen nur so stapelten - Indien, das Land der Gegensaetze.
Furchtbar waren die vielen Tunnel, die offenbar keine Belueftungssysteme haben - jedes Mal, wenn der Zug wieder so langsam (bei toller, fotografierenswerter Landschaft jagt er dahin) durch die Dunkelheit kroch, rangen wir mit dem Erstickungstod.
Irgendwann wurde es auch draussen finster und ich wurde muede, und dann hatte ich ploetzlich das Gefuehl, gleich in Radldorf zu halten:)

In Goa hatten wir ein gutes Abschiedswochenende, wir waren nochmal in Colva und Margao und haben am Sonntag die Fahrt zum 600m - Dudhsagarwasserfall auf uns genommen:


(Immerzu denken wir uns: Wow, sowas haben wir auch noch nie erlebt!)
War sehr sehenswert und eine huebsche Abkuehlung:


Der Freitag allerdings war recht traurig, wir mussten uns von unsren Projekten verabschieden, den ganzen Kindern. Es war der letzte Beachday, wir haben kleine Geschenke verteilt und unsrerseits welche gekriegt, Pinka hat mir gleich ein riesiges, in rotes Geschenkpapier, Plastiktueten und mindestens eine Rolle Tesa gewickeltes Paket ueberreicht, mit Armreifen, die mir ueber das Handgelenk gequetscht wurden und dort fuer immer bleiben muessen, weil der Schmerz beim Versuch sie abzunehmen einfach zu gross ist, mit schicken Schlangenkreolen und Haarspangen und einer Glitzerkette und einem herzzerreissenden Brief, geschrieben mit Nagellack (in Ermangelung anderer Farbstifte). Da sind mir die Traenen gekommen..



In Mumbai haben uns gleich die groessten Betrueger erwartet - als wir in ein Taxi stiegen, fiel ich fast auf einen ganz billigen Trick rein: Ich wurde um Wechselgeld, zwei 500 Scheine fuer einen 1000 Schein, gebeten, gab sie raus und sofort wurden mir zwei 100 Scheine hingehalten, als ob ich mich vertan haette, und ich sollte sie gegen zwei weitere 500 austauschen. Jaja! Danach haben die beiden Inder uns nochmal eine riesen Angst eingejagt, als sie in einer recht dunklen Strasse mit uns anhielten, wir haben schon gestestet, ob wir die Tueren schnell oeffnen koennen, und unsre Taschen zur Flucht bereitgemacht.
Im Hotel angekommen wurde uns eroeffnet, dass nur Indian Citizens Zutritt haetten. 
Es war 11.30 ABENDS! Noch dazu hatten wir im Voraus bezahlt - das Geld will immer noch keiner rausruecken. Wahrscheinlich ist in der Vergangenheit alles zu glatt gelaufen, da musste irgendwann ein ChaosPanikVerzweiflungsTag her..
Jetzt sind wir in einem neuen Hotel und warn auch schon auf Streifzug im Fort-Viertel..



Auch mitten in der Megastadt gibts Landwirtschaft, uebrigens gleich neben den Slums am Bahnhof (oben).


Vorbereitungen auf Diwali, eine Familie auf der Verkehrsinsel macht Blumenketten.



Mittwoch, 19. Oktober 2011

Das wunderbarste Wochenende






 


Jetzt muss ich den Titel wohl kaum noch naeher erklaeren..

Wir haben ganz kurzfristig Cochin, die Hauptstadt von Kerala besucht, und es war einer der schoensten Ausfluege, oder vielleicht sogar der schoenste bisher! Diese Backwaterstour, von der ihr die Fotos oben seht, war der Wahnsinn. Wir haben den ganzen Tag auf einem Reisboot verbracht, mit Fuehrerin und nur 3 weiteren Passagieren, es war so ruhig und enspannt, und die Landschaft so atemberaubend..
 

An einem der Abende haben wir den Sonnenuntergang ueberm indischen Ozean hinter den beruehmten chinesischen Fischernetzen beobachtet,


am anderen eine Karthakali-Tanzshow besucht, dh traditionelles Kerala-Maskentheater.
Beides sehr fesselnd. Ja, kann mich gar ned entscheiden, was am tollsten war:)
Ausserdem gabs noch den Stadtpalast, viele Geschaefte und einen Jaintempel..
Am letzten Morgen hab ich ganz frueh einen einsamen Spaziergang am Meer gemacht:




Den Fischern zugeschaut und mich ueber die indischen Jogger und Walker lustiggemacht, bzw. eigentlich haben sie mir mehr leid getan, in ihren alles-bedeckenden Sportklamotten, in der Hitze (die man schon um 7 spuert).
So sind wir also doch noch viel weiter in den Sueden gekommen als gedacht, fast bis an die Spitze Indiens. War wirklich das erste Mal, dass ich mich gar nicht auf die folgende Woche gefreut hab, sondern mir nur mehr Zeit dort gewuenscht hab.  
 Da hat sich die 15h-Zugfahrt echt gelohnt, die wie meistens wieder eher stressig war (besonders waehrend der Rueckfahrt, bei der wir lange nicht wussten, ob wir im richtigen Zug sitzen, dann mit Muehe wach blieben, um den Ausstieg nicht zu verpassen, und schliesslich nach dem Zeitpunkt der planmaessigen Ankunft immer noch fuer 2h in der Pampa herumfuhren.. Da waren wir so voller Angst, dass wir nie wieder heimkommen, dass wir am Ende den eigenen Bahnhof nicht erkannten..)

 




Dienstag, 11. Oktober 2011

Party auf indisch, a gscheide Watschn und mein Krankenhaus


Waren diesen Samstag zum ersten Mal seit unsrer Abschiedsparty weg, in Baga, dem anscheinend einzigen Ort Goas, an dem man immer noch gut Party machen kann. Oh ja, kann man!
Eigentlich wollten Rita und ich zuerst noch auf einen beruehmten Flohmarkt gleich in der Naehe, Ingos Saturday Night Bazaar, weil wir unser Geld lieber in weitere Souvenirs als in gepanschten Alkohol investieren, leider gabs aber zu viele Missverstaendnisse und wir habens nur in die Einkaufsecke Bagas geschafft, wo auch alles die Nacht hindurch geoeffnet hat, sehr guter Einfall uebrigens. Um 12 sind wir zu den anderen 30 Freiwilligen ins Tito’s zum Tanzen, ein echt schicker Club, und alle warn echt gut dabei bis auf eben uns. 


  ein Teil der Gruppe..
Hier gehen natuerlich wesentlich mehr Maenner weg als Frauen, darum gibts fuer diese jeden Tag Eintritt, Getraenke, alles umsonst, waehrend die Jungs ganze 1500 RS (macht ca 25 Euro) berappen muessen. Wahrscheinlich der einzige Vorteil, den es im sexistischen Indien hat, weiblich zu sein.
Trotzdem wars recht unausgewogen, aber gemessen an der Aufmerksamkeit und Behandlung, die wir sonst erfahren, waren die Maenner fast schuechtern, jedenfalls sehr angenehm zurueckhaltend. Obwohl wir uns auf dem Balkon so angestrengt haben, unsre im Stars erworbenen Tanzkuenste optimal einzusetzen!:)
Ein lustiger Abend, obwohl wir zugegebenermassen zuerst nicht so ueberzeugt waren: Am Tag den armen Kindern nicht helfen zu koennen und dann Geld fuers Feiern auszugeben.. Andererseits haben wir damit wieder eine neue Seite der Gesellschaft kennengelernt. Die wenigen anwesenden Maedls waren wesentlich wilder als wir europaeischen (wilder vielleicht nicht, aber zumindest freizuegiger). Alkohol und Drogen, statt der kennengelernten Enthaltsamkeit der Hindus (wurden uns doch sehr offen angeboten, ich kanns immer noch nicht so verstehen, dass es das den Leuten bei den harten Strafen wert ist! Hab ich damals uebrigens erwaehnt, dass der Koch im Lalsotcamp sein Kraut an einige Freiwillige verkauft hat? So dumm, so dumm, alle beiden Parteien! Kannten uns ja gar nicht, wenn wir boese waeren und Lust gehabt haetten, waeren sie jetz in grossen Schwierigkeiten.). 
Wenn wir Sheela und Neetu aus Lalsot das alles zeigen koennten – die wuerden vor Verwirrung und Scham im Boden versinken.

Am Montag hat mir dieses kleine Maedchen,

 
Munni, eine runtergehaut, aber so richtig! So richtig, dass mein Kopf auf die Seite geflogen ist! Hab sie ein bisschen zu lange gekitzelt und damit genervt und baatsch.. Aber damit wars dann auch wieder gegessen, dann hat sie mich umarmt und liebevoll versucht, mich von einem Muttermal am Hals zu befreien (die sind sie hier nicht gewoehnt, und ueberzeugt, es sei eine Art Hautkrankheit). Ich glaube, dass es ihr nicht so gut ergeht, ihre grossen Schwestern behandeln sie ganz gemein und grundsaetzlich wird sie viel alleingelassen. Aber obwohl Munni eins der garstigsten Kinder von allen ist, mag ich sie besonders gern:)
Und ansonsten sind die Fishermenkinder so lieb!


 Das ist Pinka (die grosse, mit deren Hausaufgabenkontrolle ich hauptsaechlich beschaeftigt bin), die beiden Schwestern Suma und Shilpa (mit meiner kaputten, von Pinka mit Tesa wieder zusammengeklebten Sonnenbrille und die Zunge rausstreckend) und eine kleine Unbekannte in Gelb.
Und nochmal Shilpa, mit Seesternen, die sie spaeter in Suesswasser ertraenkt hat:


 Und Rita, wie sie ihrerseits grad gerne Watschen verteilen wuerde:


Sie hatte aus Mitleid beschlossen, einer der Frauen, die uns am Strand immer mit ihren Waren bedraengen, etwas abzukaufen. Schlechte Idee, da sie dadurch eine ganze Meute angelockt hat und sich schliesslich gar nicht mehr befreien konnte - jetzt haben wir superschoenen, hochwertigen Plastikschmuck zum Preis einer Zugfahrt nach Kochi..
(Wohin wir uns morgen auf den Weg machen werden..)

Zum Schluss noch ein kurzer Einblick in mein neues Projekt seit letzter Woche, als Praktikantin im staatlichen Krankenhaus von Cansaulim:


 Die eine Ecke des (einzigen) Behandlungszimmers, in dem ich immer sitze und beim Desinfizieren, Naehen, Verbinden, Spritzen, Infusionen legen usw zuschaue. Zu sehen die Liege, die noch kein einziges Mal, seit ich da bin, auch nur abgewischt wurde, auf ihr klebt Blut, Salbe, Eiter und was weiss ich noch alles, viel zu viele Spinnweben und der nicht weniger hygienische Muelleimer, in dem einfach alles konserviert wird, was man in einem Hospital so wegwirft.


Und das ist die ganze Ausstattung: Verbandszeug, das schon mal auf den Boden faellt und trotzdem noch benutzt wird, einmal am Tag gereinigtes Besteck, die Leben rettende Waermflasche und ein Haufen Infusionen, die einfach bei jeder Krankheit gelegt werden, auch bei Malaria und allem was danach aussieht..
Aber ich will nicht alles verurteilen, natuerlich sind die Zustaende katastrophal und man faengt an zu beten, hier bittebitte niemals krank zu werden, aber fuer die richtig armen Menschen stellt Cansaulim eine gute Moeglichkeit, die einzige Moeglichkeit dar. Die Behandlung und alle Medikamente sind kostenlos und das Personal bemueht sich nach Kraeften. Gestern hab ich beobachtet, dass ein Mann, dessen Wundraender und grosse Teile des Beins tiefschwarz verfaerbt sind, genauso nur seine Verletzung versorgt kriegt wie einer, der einfach von einem Hund gebissen wurde. Ahnung haben die also wenig, sobald man an einer etwas ernsteren Sache leidet, sind wir die falsche Adresse.
Nichtsdestotrotz bin ich froh dort zu sein, es ist unheimlich interessant, auch wenn ich nicht sehr viel selbst machen darf, und vor allem nicht im Entferntesten so belastend wie der Job im Waisenhaus. Einfach weil die Patienten groesstenteils erwachsen sind und man sie nicht naeher kennenlernt, nach 10 Minuten kann man sich einem neuen Fall zuwenden.
Aber bisschen traurig bin ich schon, dass ich die Kleinen nie wieder sehen werd..





Montag, 3. Oktober 2011

Bangalore an Gandhis Geburtstag

Hallo schon wieder:)
Donnerstagabend bis heute morgen waren wir wieder unterwegs, diesmal nach Bangalore (unser suedlichster Punkt in Indien, voraussichtlich). War ganz schoen anstrengend, wir haben heute auch das Morgenprojekt verpasst, weil wir uns nach der 12h Busfahrt, nach der wir erst um halb 8 am wieder im Camp angekommen waren, viel zu muede fuehlten. Der overnight-Bus war in Gegensatz zu dem nach Hampi auch wesentlich unkomfortabler, die Betten schmaeler, der Fahrer wagemutiger und ueberall Kakerlaken unterwegs (macht mir trotzdem irgendwo Spass, ich hab mir Schlafen im Bus schon als Kind immer irrsinnig aufregend vorgestellt, was es auch auf jeden Fall ist).

Die Nachbarschaft unsres anschliessend gesuchten Hotels fanden wir mehr als bedenklich:
 

Aberhunderte Gasflaschen, die von total vertrauenserweckenden Indern auf Motorraeder verladen wurden..
Also brachen wir schnell auf zum Sightseeing, was sich in Bangalore aber als eher schwierig herausstellte, da es einfach nix zu sehen gibt. Der Reihe nach:


 Ein Tempel, in dem ein riesiger Bulle aus schwarzem Stein wohnt - der bulltemple,


Der Gandhimarkt, der hauptsaechlich aus echt tollen Blumenstaenden mit Girlanden und Ketten aus wunderschoenen Blueten bestand,


auf dem Weg zu einem Park - ja! Die mickrige, indische Version unsres Oktoberfests (wir haben gepasst),


ein indischer Buegler am Strassenrand, ganz suess:)
Ja, und nach diesem aufregenden Tag brauchten wir erst mal ein gutes Abendessen, gefunden im "Narthaki", wo wir die einzigen weiblichen und westlichen Besucher waren und wegen unsren Problemen mit dem scharfen Essen sehr ausgelacht wurden. Die Gerichte werden auf einem Bananenblatt serviert:


Sehr feines Huehner- bzw Shrimps- bzw Gemuesecurry.
Die zwei weiteren Tage verliefen ganz genauso spannend, waren z.B. 2x ausgiebig im Internetcafe, weil wir hier im Camp letzte Woche wieder Verbindungsprobleme hatten, und viel Teetrinken..
Aber als Vergleichsstadt zu Jaipur, Udaipur oder Delhi wars wirklich interessant. Bangalore hatte ja vor ein paar Jahren einen richtigen Boom, die IT-Branche, und ist daher eher reich. Es gibt viele moderne Shoppingmalls und Buerohaeuser, die Menschen geben sich viel westlicher, auch die Frauen. Paare zeigen sich als solche..leider bleibt dadurch natuerlich der indische Charme der Urspruenglichkeit und des Rueckstands bissl auf der Strecke, klar, es gab Kuehe und aufdringliche Haendler usw, aber viel zu viele Plagiate und Produkte im "westlichen" Style (die bei uns allerdings kein Mensch mehr haben wollen wuerde). Ich bin jetzt stolze Besitzerin einer Galvin Klein - Uhr! Die von Tammy Hileiger gabs ja leiderleider nur noch mit unleserlichem Ziffernblatt.

Am Sonntag war Gandhis Geburtstag und wir haben uns schon bissl Sorgen gemacht, weil ja an solchen Feiertagen in Indiens Megastaedten gern mal Anschlaege sind, siehe vor 4 Wochen. Aber Bangalore ist dann doch noch nicht Delhi oder Mumbai, sondern nur die 4. groesste Metropole.
Morgen gehts ans Planen...Mumbaii..:)


Sonntag, 2. Oktober 2011

Abschiedstraenen

Ganz furchtbar, grade ist Kristin abgereist!
Wir sind schon wirklich traurig, nach 2 Monaten, in denen wir rund um die Uhr zusammen waren, waechst man sich ans Herz :(
Hier nochmal das huebscheste Foto von ihr, am Strand, waehrend dem Fishermen-Projekt:

Uiuiui
An diesem Tag sollten die Kinder ausserdem das Zaehneputzen lernen, weil alle Loecher haben und auch gar nicht wissen, wie man das verhindert. Nachdem Rita und Kristin Spongebob-Colgate gekauft haben, war jeder mit Spass bei der Sache..


 Und Rita hats mit noch viel mehr Spass und Schaumspucken vorgemacht, das Foto darf nur ned veroeffentlicht werden ;)


Hier werden Flaschen mit Muscheln, Sand und Meerwasser befuellt, ein ganz tolles Spielzeug fuer den freitaeglichen Strandtag.

Im Altersheim sind jetzt ganz viele neue Freiwillige, 2 Norwegerinnen und eine Deutsche. In dem Projekt kommt man sich bisher fast am sinnvollsten eingesetzt vor, die alten Menschen werden viel zu selten bis gar nicht von ihren Angehoerigen besucht und freuen sich ueber die Gesellschaft.


Das ist die schon mal erwaehnte Frau, die nicht mehr gehen kann und, eigentlich noch ganz jung, schon so lange im Heim ist. Es war immer noch kein Rollstuhl aufzutreiben..Offenbar hat sie mittlerweile auch Diabetes bekommen, weil sie zu viele/ die falschen Medikamente nimmt.
Es gibt noch einen gelaehmten Mann, er hat zwar einen Rollstuhl, trotzdem ist seine Geschichte genauso traurig: Er ist beim Kokosnuessepfluecken abgestuerzt und bekam tagelang keine richtige Hilfe, sodass er die bleibenden Schaeden davongetragen hat. In Rita hat der Arme eine so gute Zuhoererin gefunden, dass er sie regelmaessig gar nicht mehr gehen lassen will, er ist immer so traurig..
Am Donnerstag bekam die Gruppe Besuch von der Altenheimleiterin, einer aehnlich boesen Frau wie es die Waisenhausleiterin ist, sie hat die bettlaegrigen Menschen angeschrien, weil nicht alles ihren Ordnungsvorstellungen entsprach, und genau wie die Kinder waren die Alten ganz veraengstigt und kleinlaut. Komisch, weil bei uns ja sowas wie natuerlicher Respekt vor aelteren Leuten existiert - hier gibts nur die Machtmenschen und die Abhaengigen.

Mein Waisenhausprojekt hab ich am Donnerstag beendet, ab morgen werd ich im Krankenhaus in Margao arbeiten. Es ist mir einfach zu viel geworden mit den bemitleidenswerten Kleinen, denen man nun mal nicht helfen kann. Plus, dass die Arbeit ja recht eintoenig ist, spielen und spielen und spielen, also kann man sich nicht durch die Vorbereitungen o.ae. ablenken. Plus, die Steine, die uns von der Heimleiterin und auch IDEX in den Weg gelegt werden. Plus, dass ich die Kinder teilweise schon so lieb gewonnen hab, dass ich jeden Tag trauriger war, sie dort zuruecklassen zu muessen.. Da tut mir der Wechsel jetzt gut, neue Aufgaben mit mehr Abstand von den menschlichen Tragoedien, die sich ueberall abspielen, auch wenns bestimmt nicht so einfach ist (was ich bei meinem ersten Besuch dort gesehen hab, war die Leprawarnung, diverse andere, echt eklige Hautkrankheiten und ein offenes Bein, das die ganze Strasse vollgeblutet hat).
Die Aerzte waren aber endlich da! Natuerlich haben sie nicht ganz so viel bewirkt wie wir gehofft hatten, aber zumindest waren sie wirklich erschuettert von den Zstaenden der Kinder und dementsprechend sauer, das Team und auch die Managerin unsres Camps wurden so richtig zusammengestaucht, da haett ich gern miteingestimmt. Den beiden am meisten betroffenen Kleinen wurden irgendwelche Spritzen gegeben, beim Rest wurde nur der Zustand untersucht und notiert. Dringend haben sie empfohlen, zum Spezialisten zu fahren, aber da muss erst die Hexe um Erlaubnis gefragt werden. (Und wenn sie nein sagt, passiert anscheinend wieder nichts mehr, bleibt zu hoffen, dass sie zur Vernunft kommt.)

Was ganz was nettes wollten wir euch noch zeigen, gibts auf dem Weg zur Arbeit jeden Tag zu sehen:

Ab Mittags liegen dann nur noch die Innereien da und nach unsren Nachmittagsprojekten huepfen Kraehen drauf herum. Grausig - gut, dass wir im Camp vegetarisch ernaehrt werden!

Ja, und gerade sind wir in BANGALORE, aber das muss ich nachtragen, weil ich die Fotos noch nicht parat habe..

magdalena+rita