Meine ersten zwei Tage im Waisenhaus waren sehr gemischt.
Die Arbeit ist toll und ich bin so froh, den Platz bekommen zu haben, aber gleichzeitig gibts wieder so viele neue Herausforderungen und Rueckschlaege..
Ich hab ja in Lalsot gelernt, nicht auf einen sichtbaren Effekt meines Unterrichts zu hoffen, sondern nur zu versuchen, die Zeit fuer die Kinder so schoen, lustig und lehrreich wie moeglich zu gestalten. Bei dieser neuen Aufgabe geht es jetzt gar nicht mehr darum ihnen was beizubringen, hauptsaechlich bin ich dazu da, das Kuschelbeduerftnis zu stillen. Alle scharen sich um uns und wollen hochgenommen, gestreichelt werden. Und dann wird gebastelt, gemalt und auf dem Spielplatz getobt:)
Natuerlich ist es aber nicht ganz so idyllisch, in dem Teil des Waisenhauses, den wir zu sehen bekommen (der Rest darf nicht betreten werden), laesst sich z.B. nie eine Aufsichtsperson blicken. Es sieht tatsaechlich so aus, als waeren diese Kinder zwischen 1 und 5 Jahren sehr viel auf sich alleine gestellt, und klar sind sie alle dreckig, halbnackt usw. Die Kleine, die sich oben grade den von mir gebastelten Papierhut aufsetzt, hat am ganzen Koerper eitrige Abszesse, heute hat sie aus den meisten davon geblutet, weil sie sie offensichtlich aufgekratzt hatte. Keine Ahnung, ich hoffe es sind einfach entzuendete Stiche o.ae. und nicht eine ansteckende Hautkrankheit! Letzte Woche wurde allen anscheinend erst mal der Kopf rasiert (oder Teile davon), auch sehr huebsch..
Zwei der kleineren auf der Schaukel - das linke Maedchen lag spaeter noch eine Stunde in meinem Schoss und liess mich ihr alle Kinderlieder der Welt vorsingen.
Dieses Maedchen reagiert nie, auf nichts. Ich hab sie hochgehoben, bin mit ihr gehuepft, hab ihr Stifte zum Malen gegeben und sie in die Nase gezwickt - kein einziges Mal hat man gemerkt, dass sie mich wahrnimmt. Meistens starrt sie einfach nur apathisch vor sich hin. Ich will ja gar nicht wissen, was ihr in der Vergangenheit schon passiert sein muss, oder vielleicht ist es ja eine Form von Autismus etc.. Jedenfalls braeuchte sie gute aerztliche/psychologische Hilfe, was wir den project executives auch mehrfach vorgeschlagen haben. Deren Kommentar ist wieder mal total zufriedenstellend: Das Kind sei einfach voruebergehend deprimiert, das wuerde sich in ein paar Tagen geben. Es ist nicht schwer sich vorzustellen, wie traurig und frustriert einen das macht, die arme Kleine tut mir so leid, und ich werd ihr einfach nicht helfen koennen.
So haben wir uns den freien Nachmittag verdient und sind an den menschenleeren Strand nach Majorda gewandert. Wunderschoen, nur kann man nicht zu weit ins Meer rein, weil die Stroemungen echt tueckisch sind, eine Freiwillige konnte letzte Woche anscheinend einmal nicht mehr aus eigener Kraft zurueck.
Und auf dem Heimweg:
Jaa, geenau!
Liebe Gruesse von uns, magdalena
Ok das war wohl der traurigste Post bist jetzt :-o
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