Sonntag, 25. Dezember 2011

Happy Merry Christmas!

oder: Heinrich Boell an Weihnachten


 Also, meine Festtage...
..bestanden aus viel zu Essen, wies sich halt gehoert, auch wenns keine Gans etc war, sondern eher so Zeugs wie oben..trotzdem gut! Und ich hatte sogar Lindtschokolade, die schon wieder weg ist und die mir mein Wichtel Kyliegh geschenkt hat, zusammen mit sich umarmenden Salz-/Pfefferstreuern, sehr huebsch!
Wir waren ausserdem bisschen weg, sodass ich vom 24. einen recht grossen Teil verschlafen hab.
Pubstreet am Heiligen Abend:


Je mehr Bier man bestellte, desto mehr Teile des Nikolauskostuems hat man bekommen.

Die Gastfamilie hat uns selbstgebastelte Weihnachtskarten geschenkt (in der mir "more clever" - Danke!! - und "more pretty" - Danke!!! - gewuenscht wurde, ausserdem "a pocket full of money"). Alle Kambodschaner sagen uebrigens entweder "Happy Marry Christmaaa!" oder "Good luck for your Christmaaa!", oder sogar, wie meine Schueler: "Happy Birthday for your Merry X-maaa!"

Mit denen hatte ich am Freitag den groessten Spass - wir hatten den ganzen Tag eine Party nach der anderen.
Die Vormittagsklasse..



Breakdance und Walzer zu kitschigsten, englischen Weihnachtssongs. Dazu Reise nach Jerusalem und unglaublich anstrengendes Komm mit - Lauf weg (weil natuerlich immer ich angestupst wurde!).



Und die Nachmittagsklasse..


mit ca.100 Runden Hangman.
Ich hab ihnen jeweils ein halbes Set Glitzersticker und "Angry Bird"- Radiergummi und - Buttons geschenkt und sie lieben es! Haben sich richtig gefreut, und ich mich umso mehr..

Den ersten Weihnachtsfeiertag haben wir am See verbracht, dem West Barray. Praktischerweise war mein Rad kaputt und ich wurde die 15km auf dem Motorrad mitgenommen - an was ich mich schoen langsam sehr gewoehne! Macht richtig Spass, auch wenn ich nie sicher bin, ob ich heil ankomm..



War gemuetlicher als es aussieht, sehr huebsch und entspannend. Baden an Weihnachten war auch mal ganz was anderes fuer mich.
Und da Sonntag der Massagetag is, gabs eine Fussreflexzonenmassage als Weihnachtsgeschenk an mich selbst.... :)


Donnerstag, 22. Dezember 2011

Sprachbarriere?


Mindestens eine Stunde am Tag verbring ich zur Zeit mit Sreymouth (die hier grad meine Schokokekse geklaut hat) :)
Gestern hat sie die weisse Hauswand mit einer Bluete blau gestrichen, bevor ich sie ihr entreissen konnte - danach musste ich eine halbe Stunde singen, um sie wieder zu versoehnen, und den Plastikweihnachtsbaum mit Kaffeepulverpaeckchen schmuecken..den Tag davor haben wir ein Whiteboard bekritzelt und alle Marker zerstoert..sie hat unser Zimmer in ein noch groesseres Chaos verwandelt und mir waehrenddessen die Welt in Khmer erklaert. Obwohl sie schon recht viel Englisch spricht, sie kann "see you momomo" und "I love you today", waehrend ich nur "ot te" (= nein), "orkun" (= Danke) und die Zahlen "moi, bi, pram" (= 1, 2, 5), sowie "Thlaina!" (= Zu teuer!) rausbring:) Auf die Weise kommen gute Gespraeche zustande, ja, wir verstehen uns prima!

Die Zahlen kann ich deswegen so super, weil man auf dem Markt natuerlich weiter kommt, wenn die Leute denken, man spreche Khmer. Auf die Forderung nach "ten Dollaaar, Miiiss" kann ich ein unerbittliches "Ot te! Thlaina!"entgegnen und dann ein "Bi Dollaaar!", das Handeln muss ich ueberspringen, weil ich 3 und 4 nicht von 2 unterscheiden kann (in Khmer gibts ueber 20 Vokale, deswegen), aber letztendlich einigen wir uns auf "Praam, haha" und ich werde nur ein bisschen ausgelacht, wenn ich auf alles weitere keine Antworten weiss.


Unser abendliches Workout - hab ganz vergessen, wie anstrengend Twister eigtl ist.
Soviel zu mir, es geht mir offensichtlich gut! 

Morgen werd ich statt einem Weihnachtsspaziergang im Schnee eine Radltour raus aus der Stadt in die Landschaft machen und viele Fotos von allem, was ich seh, z.B. den riesigen Hotelpalaesten, die uns bei der Ankunft und nach den Eindruecken aus Indien ganz schoen geschockt haben, oder vom New Market, dem Einkaufsparadis der Kambodschaner..


..wo die Fische uebrigens krabbeln koennen..
uah nein, eigentlich ist er ja bedauernswert, der Arme, kriegt gar keine Luft! Mich wuerd nur interessieren, wie er so weit springen konnte..

Montag, 19. Dezember 2011

Advent in Siem Reap

Auch wenn ich nicht viel davon merke, langsam gehts sogar in Kambodscha auf Weihnachten zu. Vor den grossen Hotels tauchen Plastikchristbaeume auf, im Supermarkt gibts Lindtschokolade und..ja, das wars, mehr Hinweise auf die Adventszeit finden sich hier nicht.
Meine Stimmung wenigstens hat sich in der vergangenen Woche kontinuierlich verbessert, ich bin ueber den Schock hinweg und freu mich sogar auf die Herausforderung - keine Reiseplanaenderungen, kein vorzeitiger Abbruch! Die anderen Freiwilligen machens mir aber auch recht einfach, ich bin von Leigh und Kyliegh aus Schottland und Wales sofort in ein Dreibettzimmer und ins Wichtelprogramm aufgenommen und am Freitag ins Siem Reap-Nachtleben eingefuehrt worden. Die Schueler halten mich auch auf Trab, seit gestern unterrichte ich doppelt so viele Stunden pro Tag. 
Und ausserdem bin ich fleissig am Planen, ich reise ja schon in weniger als drei Wochen wieder hier ab und weiss noch gar nicht genau wohin ueberhaupt..

Am Freitag hatten wir in der Jay's School Mariannes Abschiedsparty, wir haben Reise Nach Jerusalem und extrem viel Hangman gespielt, englische Christmassongs gehoert und Abschiedsbriefe ueberreicht:


"teacher like lobster and bear"

"I miss you, I love you and I need you. Do you can kiss me?" ohh!

Abends waren wir wie gesagt weg..Party machen kann man hier auf jeden Fall gut und preiswert..
Am Samstagmorgen haben wir uns trotzdem aus dem Bett gequaelt und das Landmine-Museum besichtigt, in dem auch Freiwillige aus unsrer Gruppe arbeiten. War gut, richtig interessant und natuerlich bewegend..die versehrten Kinder zu sehen und die Lebensgeschichte des Gruenders Akira zu hoeren, eines ehemaligen Kindersoldaten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kambodscha von den vielen Millionen Minen zu befreien.. Martina durfte letzte Woche sogar bei der Saeuberung eines Feldes dabei sein und das Entschaerfen/Sprengen miterleben. Darauf bin ich richtigrichtig neidisch!


Fast noch toller war der Weg zum Museum. Wir haben die 30km mit dem TukTuk zurueckgelegt und ich bin einfach ueberzeugt: Es gibt keine bessere Art, die Gegend zu erkunden. Und, in dem Fall, die wunderschoene kambodschanische Landschaft..
(Obwohl es nicht einfach ist, waehrend der wackligen Fahrt gute Fotos zu machen)



..auch innerhalb der Stadt:

Am Sonntag konnte ich endlich mal sehen, wie meine heissgeliebten und vielgekauften Schals eigentlich hergestellt werden. Darauf waren Rita und ich ja schon lange neugierig:) Wir haben an einer Fuehrung auf einer Seidenfarm teilgenommen (aufgebaut von einer Art NGO), die Felder, Raupenaufzuchtstationen und Fabrikhallen besucht.





Tatsaechlcih webt eine Frau 7h taeglich und produziert dabei grade mal einen halben Meter Schal (den wir dann fuer 3 Dollar kaufen). Als ich das gehoert hab, hab ich mich bisschen meines ewigen Runterhandelns geschaemt...

Am Abend hatten wir allerfeinstes Streetfood. Ab ca 5 Uhr nachmittags blockieren hier Plastikstuehle und Gaskocher die Buergersteige..und man kriegt das billigste, beste Essen.


Oder man geht gleich zu einer dieser mobilen Kuechen (mein taeglich Mittagessen):


King Batman, da sitzt er..


Samstag, 10. Dezember 2011

Auf einmal ganz allein

Das kommt jetzt als kleiner Schock: Die Rita ist vorhin abgereist!

.....

Leider hat sich ihre Gesundheit nicht wieder richtig herstellen lassen, und nach so vielen Wochen Krankheit hats gestern gereicht - wir haben also den naechstbesten Flug gebucht, hier alles geregelt, dabei natuerlich nicht vergessen Souvenirs einzukaufen :) und gepackt.. und jetzt sitzt sie hoffentlich schon im Flieger nach Deutschland.
Ganz sicher ist es aber noch nicht, dass sie da auch ankommt, weil bloederweise gleich der erste Flug nach Bangkok Verspaetung hatte, sodass sie evtl auch gestrandet ist und umbuchen musste. Aber das wird sie schon alles gut schaffen!
 Und ich bin jetzt also allein und halte die Stellung, mal schaun wie viele Tage noch, bevor mich die Einsamkeit uebermannt, die Weihnachtsdepression o.Ae. und ich der Rita nachfolge..
Denn momentan bin ich noch untroestlich!

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Tschaa!

"Tschaa" ist jetzt mein neuer Name, abgeleitet vom englischen "teacher", wie ich vor einiger Zeit dann doch noch herausfinden konnte :)


 Das ist ein Teil meiner Anfaengerklasse um halb 5 nachmittags, Mielie, Sreyroth, Pyerom, Makara, Bangareth und einer, dessen Name noch seltsamer sein muss, denn ich kann mich wirklich nicht mehr an ihn erinnern.. Sie posieren jedenfalls vor unserer Jay's School, flutensicher auf Stelzen gebaut, wie alle traditionellen, kambodschanischen Haeuser; das war am Dienstag, als mir gerade nichts mehr eingefallen ist, was ich noch unterrichten koennte (Der Trick hat schon in Indien immer gut funktioniert, so eine Kamera ist die groesste Freude!).


 Nochmal Bangareth und Makara - ersterer ist richtig lieb und brav und gut in der Schule, Makara beschaeftigt sich v.a. mit dem Zeichnen von Schwertern und Spinnen und man sollte sich seinen Respekt und sein Wohlwollen schnellstmoeglich sichern, sonst ist an ein konzentriertes Lernen nicht mehr zu denken ("Schoen, Makara, gut hast du das Samuraischwert gemalt! So eine tolle, echt aussehende Spinne! Wow, das gefaellt mir aber!"). Anscheinend ist er auch das schwarze Loch, in dem saemtliche Whiteboardmarker verschwinden.. 
Aber malen kann er wie gesagt ganz toll - auch noch, wenn man ihn fuer kurze Zeit davon ueberzeugen kann, sich einem neuen Themengebiet zuzuwenden. Z.B. der Religion (fuer unser Schmuckprojekt, das ich letztes Mal schon erwaehnt habe):


Der Kopfschmuck Buddhas ist, ja...auf jeden Fall was ganz Besonderes. 
 Zur Abreise einer Freiwilligen, die bis vor 2 Monaten meinen jetzigen Job erledigt hat, durfte die Klasse schon wieder Bilder malen. Auf den Abschiedsbriefen werden Marianne und ich lustigerweise auch erwaehnt..


..und Mielie laesst mich Seilspringen..
weils ja auch wirklich nett ist, so wenig wie sie in letzter Zeit tun mussten. Das wird naechste Woche anders, da gibts einen furchtbar schweren Test und Buchstaben-Schoenschreib-Uebungsblaetter, so!

Meine zweite Klasse mit den aelteren Schuelern macht mir momentan eher Sorgen, unermuedlich werden jeden Tag neue (maennliche) Schueler angeschleppt, die aber kein Wort Englisch sprechen, offensichtlich auch gar nichts lernen wollen und das Niveau damit ziemlich senken. Ich kann mich also wieder einmal nicht verstaendigen, werde sogar fotografiert und fuehl mich dementsprechend bisschen verarscht..Deja Vu! Anfang der Woche hab ich mich lange hingesetzt und eine ausserplanmaessige Gruppenarbeit ueber Facebook, Google und Youtube erdacht, fuer die sich gestern nicht einmal mehr die Haelfte interessieren konnte.
Dann gibts halt auch da einen Test :)


Montag, 5. Dezember 2011

Bambootrain und andere Eindruecke


Wir haben das erste Dezemberwochenende in Battambang verbracht, einer kleinen, langweiligen Provinzstadt im Nordwesten Kambodschas, "zu deren beliebtesten Sehenswuerdigkeiten die Ausfluege in die Umgebung zaehlen", sagt Lonely Planet. Die waren dann aber auch echt nett, wir haben uns ein TukTuk mit Fahrer/Fuehrer gemietet und sind durch die Landschaft kutschiert worden. Oben ein typischer Kambodschaner vom Land, mit Kroma (das ist das traditionelle, karierte Tuch) und Kuehen. 
Battambang ist uebrigens eine der am meisten verminten Gegenden der Welt, die Khmer Rouge haben hier ganze Arbeit geleistet. Ist wirklich gespenstisch, sich staendig daran erinnern zu muessen, ja nie die Strasse zu verlassen und sich beim Anblick der Bauern auf den Feldern zu fragen, wo und wann der naechste Vorfall passieren wird..Man bekommt auch staendig verkrueppelte Opfer zu sehen, sehr viele davon Bettler.
Natuerlich haben wir auch die obligatorische Bambootrain-Tour gemacht, furchtbar touristisch und trotzdem sehr lustig: Auf die Schienen der normalen Zuege werden Holzgestelle gesetzt, die dann mit 20k/h dahinrauschen. Frueher und evtl andernorts gebraucht, um Tiere, Reis etc zu transportieren, die von uns angesteuerte Strecke wird aber nur noch benutzt, um an Auslaendern Geld zu verdienen. Bei Gegenverkehr, egal ob Bambootrain oder Zug, wird das Gefaehrt einfach schnell auseinandergebaut und auf der Seite abgelegt:


Voll verkehrssicher!
Muss man als Kambodschatourist aber schon mal gemacht haben, v.a. weil in zwei Monaten die Schnellzugstrecke nach Thailand eroeffnet wird und die Bambootrains verboten werden.
Ansonsten waren wir noch bei der "Killing Cave", einer Hoehle, in der abertausende von Gebeinen liegen, Menschen, v.a. Kinder, die von den Roten Khmer in den 70ern ermordet wurden. War ganz schoen schockierend, auch weil der TukTukfahrer passende Geschichten von betroffenen Familienmitgliedern beisteuern konnte.

Erfreulicheres; in meinem Projekt gefaellts mir sehr gut. Zum ersten Mal hab ich das Gefuehl, den Schuelern jeden Tag was beibringen zu koennen. Jay's School laeuft ja auf freiwilliger Basis, die Kinder/Jugendlichen sind also motiviert, so wie ich meistens:) und alles macht viel mehr Sinn. Der Stress haelt sich auch in Grenzen, da ich mir die 5 Klassen momentan noch mit einer anderen Freiwilligen (uebrigens aus Muenchen) aufteilen kann. Ab Mitte Dezember wirds anstrengender, da bin ich dann schon den ganzen Tag mit Unterrichten und Vorbereiten beschaeftigt. Das ist unser kunterbuntes Klassenzimmer:


Im Vordergrund die aktuelle Unit der Advanced-Class, "The Internet".
Zusaetzlich haben wir im Moment ein Projekt laufen, in dem wir fuer einen englischen Schmuckdesigner Inspiration schaffen, wir schicken ihm von den Schuelern gemalte Bilder von kambodschanischer Kunst und dem traditionellen Leben. Zu dem Zweck haben wir gestern Vormittag einen Ausflug zu einer Tempelruine gemacht..

Auf dem Weg dorthin hat sich ein Junge (2.v.r), der hinten auf dem Rad eines Freundes sass, seinen Fuss zwischen Rahmen und Speichen eingeklemmt, sodass er sich boese wehgetan hat. Zwei Minuten spaeter ist Marianne, die andere Voluntaerin, mit einem Motorrad zusammengestossen und hat ihr Rad geschrottet..
Ich denk mir immer wieder, dass es einfach Glueck ist, die asiatischen Strassenverhaeltnisse heil zu ueberstehen..

In unsrer Freizeit besuchen wir sehr oft die vielen Maerkte Siem Reaps, nicht nur zum Shoppen, sondern auch einfach zum Rumschauen. Es gibt nichts interessanteres und nichts, was ich daheim mehr vermissen werde (ausser am Anfang vielleicht die Waerme..).


Es wird alles (un-)moegliche angeboten..


und die Bilder, die dort entstehen, sind immer die Besten. 
Die alten kambodschanischen Frauen sind so toll, mit ihren rasierten Koepfen und traditionellen Gewaendern, ich stell mir immer vor, was sie in ihrem Leben, bei der schlimmen Vergangenheit dieses Landes, schon alles erlebt haben muessen. Mein Lieblingsfotomotiv.

Zum Schluss noch die Ansicht der Strasse, in der wir wohnen. Sieht eigtl ganz glatt aus, aber da es hier schon um 6 und ganz ploetzlich stockfinster wird, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis wir zwei auch keine Haut mehr am Knoechel haben, oder ein Loch im Kopf, oder oder..:)

 


Dienstag, 22. November 2011

Die Umstellung..

 ..von Indien zu Kambodscha ist gross. Umgekehrt waere sie vermutlich schwierig, so besteht sie fuer mich vor allem darin, bessere Umstaende zu akzeptieren und die Tatsache, dass mir hier alles viel leichter vorkommt.
 Wir sind jetzt im Camp, dh. "Thida's House", angekommen und haben uns eingewoehnt, die anderen Volunteers kennengelernt, Einfuehrungsvortraege gehoert, Siem Reap erkundet und Ausfluege in die Umgebung gemacht. Dabei erkannt, dass nicht nur die Projekte viel durchdachter und organisierter sind, auch die Verpflegung, um die wir uns diesmal selbst kuemmern, ist um einiges besser, wir sind sehr zufrieden mit unsren eigenen Raedern und der geringen Entfernung zum Stadtzentrum..
Siem Reap ist eine nicht besonders grosse, momentan wegen der Hauptsaison sehr touristische, aber wirklich nette Stadt, in der ich mich, glaube ich, sehr wohl fuehlen kann. Es gibt alles, und im Gegensatz zu Indien auch auf westlichem Niveau: Supermaerkte, Restaurants, Malls und Maerkte, Krankenhaeuser und Apotheken!! Es ist sauberer, der Verkehr beruhigter.. Man findet sich leicht alleine zurecht und steht nicht unter staendiger Anspannung, wie es die letzten drei Monate der Fall war. Irgendwie hatten wir ja immer Angst, dass wir ueberfahren/betrogen/bestohlen/gestohlen etc. werden.. Jede Aktion, jedes vom-Fleck-kommen war ein Drama und anstrengend, waehrend man hier spontan aufs Rad steigt.
Und die Menschen sind uns so ungleich lieber! Ich habs beim Tapetenwechseleintrag schon erwaehnt, wir werden hier ernstgenommen, uns wird effektiv geholfen, wir werden nicht nur gleich, sondern auch richig gut behandelt und immer angelaechelt. Das beschraenkt sich nicht nur auf die neue Organisation Interweave, mit der wir hier zusammenarbeiten, auch Leute auf der Strasse, in den Geschaeften.. Die ganze Mentalitaet ist einfach angenehmer.
Noch ein paar Bilder aus den Orientierungstagen, in denen wir Aufluege in den Nationalpark Phnom Kulen und an den See Tonle Sap gemacht haben:


Zwei kleine Jungs, die an einem hinduistischen Lingam "beten", indem sie es mit Wasser begiessen, dieses dann wieder auffangen und sich selbst damit "reinigen". Das haben sie ausprobiert, um unsere Aufmerksamkeit zu kriegen, aber das Quellwasser war dem Armen wohl doch zu frisch...


Teil der Tempelanlage nebem dem Lingam.


Die entspannendsten Minuten der letzten Woche, ich schaukelte herum und liess mir die Gischt ins Gesicht spritzen..
Vor dem Wasserfall, der Hauptattraktion des Phnom Kulen.


 Krokodilfarm auf dem Tonle Sap, igitt!


Offenbar eine der Top-Einnahmequellen der Bewohner des Sees: Die Kinder mit Wuergeschlangen zu dekorieren und dann betteln zu schicken!


Bewohner des Sees? Jawohl, es gibt dort ein sog. schwimmendes Dorf, das sich aus hunderten dieser Hausboote zusammensetzt. Familien, komplett mit Kleinkindern, wohnen dort und ernaehren sich vom Fischen, wobei ich nicht weiss, inwiefern das ein sicheres Heranwachsen fuer Kinder sein kann..

 

Und eine Ansicht der Ueberschwemmung in der Naehe des Tonle Sap, beeindruckender noch vom Flugzeug aus, aber auch so nicht ohne. Viele Strassen sind noch total zerstoert, unser Freiwilligenhaus und die Projektstaetten schon wieder renoviert, nachdem alles wochenlang unter Wasser gestanden hatte.

Am Nachmittag werde ich zum ersten Mal selbststaendig unterrichten, hier der Link zu meinem Projekt:

http://www.jays-school.org/

Freitag, 18. November 2011

Angkor Wat


 Wir sind heute wieder mal fuer einen Sonnenaufgang aufgestanden, diesmal ueber Angkor Wat.
 Eigentlich heisst so nur der Tempel oben, die ganze Anlage erstreckt sich aber ueber mehrere Quadratkilometer und es hat fast 10h gedauert, bis wir wenigstens die Highlights gesehen hatten. Anstrengend, bei der Hitze hier - es ist viel waermer als zuletzt in Kalkutta...oder Darjeeling..


Na, erkennt das jemand? Von den Jungs vielleicht?


Im Tempel von Angkor Tom gibts ueber 250 lachende Buddhagesichter, oder Gesichter des Koenigs, der die Anlage erbauen liess - wie man es sehen will - jedenfalls sind sie gigantisch.


Das ist die kambodschanische Version eines TukTuks, viel bequemer und offener - was fuer manchen aber eher nachteilig ist, haben wir heute doch tatsaechlich eine Touristin aus einem davon fallen sehen..Wurde anschliessend noch schoen ueberfahren, ihr ist aber trotzdem nicht viel passiert, glaube ich. Sah allerdings ziemlich schockierend aus..


Nochmal Angkor Tom im Ganzen
Wollte euch nur ein paar Bilder liefern, muss ansonsten frueh ins Betti, weil ich morgen eine Art Dschungelwanderung vor mir habe..


Mittwoch, 16. November 2011

Tapetenwechsel

Die letzten Tage in Indien waren nicht gerade unsre tollsten, tatsaechlich hatten wir einen leichten Abschied ohne viel Schmerz.
Auf halbem Weg nach Darjeeling (11h Nachtzug, gefolgt von 4h Jeep-Serpentinen-bekannte indische Fahrweise) tauchten wir ein in dicksten Nebel..und bis Sonntagnachmittag nicht mehr auf, leider. War also nix mit spektakulaerer Aussicht, auf die ich mich so gefreut hatte..
Dafuer haben wir uns den Ort angesehen, der bisher am verschiedensten von allen gesehenen Orten war. Im Hochgebirge, kaum indisch-aussehende Einwohner, stattdessen viele Nepalesen und Tibeter, eine andere Art von Touristen und natuerlich ein ganz anderes Klima.
Wir sind erfroren!
Nach den 3 Monaten im Hochsommer jetzt auf einmal mit Deutschland (momentan) vergleichbare Temperaturen, und das 24h am Tag, denn Heizungen gibt es wohl nicht. Haben in den Naechten bis zu 5 Oberteile, 3 Hosen, auf jeden Fall 2 Schals und 2 Paar Socken getragen, plus Schlafsaecke und Decken..und immer noch gezittert. Bloederweise hatten wirs geschafft uns in Varanasi eine leichte Erkaeltung zu holen, die sich unter den Bedingungen reizend entwickelte..
Zumindest war eine ausreichende Menge Tee vorhanden, und zwar ziemlich guter.
Am Samstag wanderten wir zum tibetischen Fluechtlingslager, wo es eine sehr beruehrende Fotoausstellung und Kunsthandel gab, Sonntagmorgen zum Sonnenaufgang versuchten wir es noch einmal mit dem Panorama und brachen um 4 Uhr auf zum Tiger Hill, dem Aussichtspunkt, von dem aus man eigtl den Mount Everest sehen kann - vergeblich..

Zurueck in Kalkutta gabs einen weiteren Tag voller Nichtstun, bevor gestern frueh unser Flug nach Bangkok ging. Angesichts der Bilder, die vom Flugzeug aus zu sehen waren, keine schlechte Idee, unsren Aufenthalt dort zu verschieben - grosse Teile des Landes und der Stadt stehen immer noch unter Wasser.
Obwohl die Adlerperspektive von Siem Reaps Umgebung fast noch schlimmer anzuschauen war, gibts hier wohl keine Probleme mehr. Die naechsten Tage kriegen wir Orientierung, Sprachunterricht und Sightseeing (Angkor Wat!), am Montag starten meiner Meinung nach unsere Projekte. Rita wird mit Tauben und Blinden, ich wieder mit sehr kleinen Kindern arbeiten. Sind ja schon gespannt auf die Unterschiede zu den IDEXprojekten..

Alles ist so, so anders! Muessen jetzt erst mal den Schreck verdauen, keine Menschenmassen von Indern mehr um uns zu haben, nicht mehr im Muell auf den Strassen zu versinken, keine Kuhkollisionen fuerchten zu muessen, kein Naan und keinen Chai mehr zu kriegen..
Schon nach zwei Tagen in Suedostasien faellt mir uebrigens auf, dass wir viel besser behandelt werden. Wir sind nicht mehr bloss alleingelassene Anhaengsel, die nicht ernst genommen werden koennen, hier waren bisher Maenner wie Frauen gleichermassen (ueber-)freundlich zu uns. Wirklich mal wieder angenehm.


Donnerstag, 10. November 2011

Am Ganges

Varanasi - angeblich aelteste Stadt der Welt, Zentrum des Hinduismus, heilig auf jeden Fall und schoenster Ort unsrer Indienreise. 
Dort gibt es mit Sicherheit die meisten Kuehe (und Haufen), Tempel und Sadhus, dh. Maenner, die man als Goetteropfer durchfuettert:


(Offenbar geht das Geschaeft gut genug fuer eine schicke Sonnenbrille)

Zudem die meisten Touristen, was unweigerlich zu den meisten Haendlern, Betruegern und Bettlern fuehrt. Der Kampf um ein bezahlbares Taxi, das uns an den gewuenschten Ort und nicht zum Hotel mit der hoechsten Komission bringt, begann, als wir den Fuss aus dem Zug streckten, und dauerte ueber eine halbe Stunde. In der Altstadt und an den Ghats waren wir selbstverstaendlich auch nie alleine: "Madam, one boat? Madam, candle? Madam, beautiful shawl? Madam, one rupee? Madam, hello, whatsurname?"


..Die Rita, wie sie zwei Maedchen, eine davon lustigerweise eine Munni, Mittagessen kauft..

Und vermutlich gibt es in dieser Stadt auch die meisten Sterbenden und Toten Indiens, weil es im Hinduismus als grosses Glueck gilt, an diesem heiligen Ort dahinzuscheiden. Falls nicht moeglich, soll zumindest der Koerper dorthin ueberfuehrt werden, um im Ganges gewaschen, eingeaeschert und anschliessend verstreut zu werden. Ein sehr beeindruckendes Schauspiel, wie die aufwendig praeparierten Leichen zuerst von singenden, maennlichen Angehoerigen auf Bahren durch die engen Gassen getragen werden, auf den zur Kaste passenden Scheiterhaufen warten, schliesslich angezuendet werden..
Und wie die Arbeiter danach die Aschehaufen nach Goldschmuck durchsuchen, bevor sie sie einfach in den Fluss kippen..



Ausgenommen von diesen Ritual sind die heiligen Sadhus, Kinder unter 10 Jahren und daher auch schwangere Frauen, Leprakranke (damit der verpestete Rauch nicht die Ansteckung beguenstigt) und von einer Kobra getoetete Menschen (warum auch immer). Sie werden, wie auch alle Tierkadaver, auf Booten zur Flussmitte gebracht und mit Steinen beschwert versenkt. Wir koennen allerdings bezeugen, dass das mit den Gewichten noch geuebt werden muss - bei einer unsrer 3 Bootstouren schwamm nicht nur eine Babykuh vorbei, sondern tatsaechlich auch ein bleicher, aufgedunsener Sadhu mit einzelner Locke am kahlen Kopf, immerhin mit dem Ruecken nach oben..

 Weiter flussabwaerts (!) fanden wir die - im wahrsten Sinne des Wortes - chemische Reinigung Varanasis:


Huebscher Anblick mit all den bunten Stoffen, aber nur wenn man weiss, dass die eigene Kleidung hier nicht "gewaschen" wird.


Unbeirrt geben sich die Pilger trotzdem dem grossen Badespass hin: 


Die Maenner, Augenschmaus, meistens nackt und prustend, die Frauen zurueckhaltend und voll bekleidet. Unbegreiflicherweise ist Varanasi noch nicht ausgestorben, bei all den Schwermetallen, Chemikalien, Leichen usw. im Ganges ein ziemliches Wunder.

Ein paar Impressionen der letzten Tage:


Friseursalon am Shivaghat,



ein Schauspiel, das uns bestimmt eine halbe Stunde lang amuesiert hat - Wie kann eine eigenwillige Kuh dazu gebracht werden, sich zum Saubermachen in den Ganges zu begeben? Vielleicht hat sie ja wie wir erkannt, dass sie davon nur noch dreckiger werden wuerde..


Er verflucht mich gerade, weil ich ihm nicht mehr aus meiner schoenen Wasserflasche zu Trinken geben wollte, nachdem er seinen Kautabak um uns herum verteilt hatte.


"Madam, hello, one photo!"